Westbalkan-Staaten wollen enger kooperieren – Zölle sorgen für Unruhe

Die Staaten des Westbalkans haben sich bei einem Treffen in Österreich für mehr regionale Kooperation ausgesprochen, um die Perspektive ihres Beitritts zur Europäischen Union zu verbessern. «Ich denke, wir müssen mehr Kooperationsbereitschaft in der Region zeigen, wenn wir dann auch mit Europa kooperieren möchten», sagte der stellvertretende Ministerpräsident Mazedoniens, Koco Angjusev, am Montag (19. November) in Wien. Albaniens Ministerpräsident Edi Rama sagte, dass der Weg zu besserer Kooperation ein Prozess sei, dass bestehende Probleme aber gelöst werden könnten.

Bei dem Gespräch auf Einladung von Österreichs Kanzler Sebastian Kurz wurden aber vor allem die aktuellen Differenzen zwischen Serbien und dem Kosovo deutlich. Serbien werde durch kosovarische Zölle auf Waren aus Serbien und Bosnien-Herzegowina diskriminiert, sagte die serbische Ministerpräsidentin Ana Brnabić. Damit verletze das Kosovo das mitteleuropäische Freihandelsabkommen Cefta, das den Abbau von Handelshemmnissen zum Ziel hat. Der Ministerpräsident des Kosovos, Ramush Haradinaj, erklärte derweil, dass sein Land in den vergangenen Jahren von Serbien und Bosnien-Herzegowina nicht gerecht behandelt worden sei.

Vor zehn Jahren erklärte sich das Kosovo für unabhängig

Das Kosovo hatte früher zu Serbien gehört, ist aber heute weitgehend nur noch von Albanern bewohnt. 1998 und 1999 führte ein bewaffneter Aufstand der Kosovo-Albaner zu massiven Repressionen und Vertreibungen von Zivilisten durch die serbischen Sicherheitskräfte. Ein Luftkrieg der Nato gegen das damalige Rest-Jugoslawien (Serbien und Montenegro) erzwang den Abzug der serbischen Truppen aus der abtrünnigen Provinz. Von 1999 bis 2008 regierte sie eine UN-Verwaltung. Vor zehn Jahren erklärte sich das Kosovo für unabhängig. Belgrad hat diesen Schritt nie anerkannt, einige EU-Staaten auch nicht.