Neue Seidenstraße soll Asien und Europa enger zusammenbringen

Hochrangige Vertreter der chinesischen Wirtschaft sehen einen neuen Schub der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen China und der EU in den nächsten Jahren kommen. China habe seine wirtschaftlichen Strukturen weiterentwickelt, Importbeschränkungen und Zölle reduziert oder abgebaut und seine Märkte für ausländische Investoren weiter geöffnet, sagte Li Yizhong, der Vorsitzende des chinesischen Industrieverbandes, am Montag (26. November) bei der Konferenz «China meets Europe» in Hamburg. Diese Entwicklung der chinesischen Wirtschaft bringe zusammen mit der «Belt and Road»-Initiative – bekannt als «Neue Seidenstraße» – zusätzliche Möglichkeiten für gegenseitige Investitionen und einen intensiveren Warenhandel.

Angela Titzrath, die Chefin des Hamburger Hafenkonzerns HHLA, reklamierte Hamburg als Endpunkt für die neue Seidenstraße, nicht Duisburg. Vor zehn Jahren sei der erste Eisenbahnzug aus China in Hamburg angekommen, heute gebe es wöchentlich 235 Containerzugverbindungen mit 27 chinesischen Städten. Das könne zwar zu einem Transportvolumen von 640 000 Standardcontainern (TEU) jährlich bis 2025 führen, doch das sei immer noch nur ein Bruchteil des Seetransports. Mehr als ein Drittel des Hamburger Hafenumschlags kommt aus China oder ist für China bestimmt.

Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte zum Auftakt der Konferenz die Staaten zu einer engeren Zusammenarbeit in Politik, Kultur und Wirtschaft aufgerufen. Kein Land der Welt könne allein die bevorstehenden Herausforderungen bewältigen. Schröder wies darauf hin, dass China mittlerweile der wichtigste Handelspartner Deutschlands noch vor den USA sei und 900 chinesische Firmen in Deutschland ansässig seien. «Der internationale Austausch ist enorm wichtig für beide Seiten», sagte der Altkanzler.

Engere Zusammenarbeit statt Konfrontation

Engere Zusammenarbeit statt Konfrontation sei die Antwort auf wachsende Unsicherheit. Schröder erinnerte an die Risiken durch Terrorismus, bedrohliche Staaten wie Nordkorea, bewaffnete Konflikte wie in Afrika, Flüchtlinge, Globalisierung und Digitalisierung. In dieser Situation sollten sich die Länder an die Grundregeln des globalen Handels halten.

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China und die von der Regierung Trump verhängten Strafzölle auf chinesische Produkte spielten nur am Rande eine Rolle. Verschiedene Vertreter Chinas verwiesen mit großem Optimismus auf die laufende Digitalisierung, die einen weiteren Modernisierungsschub nach sich ziehen werde, und die Entwicklung des chinesischen Binnenmarktes. Die chinesische Wirtschaft werde auch in den kommenden Jahren stark wachsen – in den ersten drei Quartalen dieses Jahres waren es 6,7 Prozent.

Von Eckart Gienke, dpa