Erhebliche Unterschiede: Gefahren durch Krankenhaus-Keime in Europa

Antibiotika-resistente Bakterien verursachen europaweit etwa 33.000 Todesfälle im Jahr. Das schätzt ein Team der EU-Gesundheitsbehörde ECDC in Solna (Schweden). Die Experten werteten Daten aus 30 Ländern der Europäischen Union und des europäischen Wirtschaftsraumes aus, die unter anderem ein europäisches Netzwerk zur Beobachtung antimikrobieller Resistenzen (EARS-Net) im Jahr 2015 erhoben hatte.

Die hier gezeigte interaktive Grafik legt den Fokus auf MRSA. Die vier Buchstaben stehen für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus – also für Staphylokokken-Keime, die vor allem gegen das Antibiotikum Methicillin resistent sind. MRSA treten vor allem in Krankenhäusern auf, wo sie von Patient zu Patient übertragen werden. Deshalb werden sie auch als „Krankenhaus-Keime“ bezeichnet.

Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kommen Bakterien der Art Staphylococcus aureus auch auf der Haut und den Schleimhäuten von vielen gesunden Menschen vor. Sie siedeln sich dann in Nasenvorhof, Rachen, Achseln und Leisten an, ohne den Menschen krank zu machen. Sollten sie aber in den Körper gelangen, können auch nicht-lebensbedrohliche Erkrankungen durch die Infektion zum Tod führen.Denn unter Umständen werden Staphylococcus-aureus-Bakterien gegen das Antibiotikum Methicillin und auch die meisten anderen Antibiotika resistent. Auch der Einsatz von Ersatz-Antibiotika bleibt dann in manchen Fällen wirkungslos.

MRSA kommen dort vor, wo häufig Antibiotika eingesetzt werden, vor allem in Krankenhäusern. Die Visualisierung zeigt den Anteil der MRSA-Keime unter allen in europäischen Krankenhäusern vorhandenen Staphylococcus-aureus-Bakterien. Zwar nimmt der Anteil der MRSA unter den Staphylococcus-aureus-Bakterien im EU-Durchschnitt ab. Dennoch weist ein Viertel der EU-Länder, darunter Portugal, Griechenland und Malta, einen MRSA-Anteil von über 28 Prozent auf. Der höchste Anteil ist in rumänischen Krankenhäusern zu finden. Hier liegt der Anteil bei 44 Prozent. Besonders gering ist der MRSA-Anteil in den Niederlanden und skandinavischen Ländern wie Dänemark, Finnland oder Schweden. Ebenfalls ist ein Nord-Süd-Gefälle innerhalb der EU zu beobachten.

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung werden die Erreger am häufigsten durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch weitergegeben. Hauptübertragungsweg sind dabei die Hände.
Sowohl MRSA-Erkrankte als auch MRSA-Träger, also gesunde mit MRSA besiedelte Menschen, können ansteckend sein. Eine Ansteckung ist ebenfalls über verunreinigte Gegenstände wie Türklinken, Handläufe, Griffe oder Badutensilien möglich. Die Erreger haften auch sehr gut an Plastikmaterialien und Edelstahllegierungen, beispielsweise an Kathetern. Eine MRSA-Infektion kann besonders bei abwehrgeschwächten, älteren Patienten und Säuglingen schwer verlaufen.