Der geographische Mittelpunkt der EU

Den geographischen Mittelpunkt der EU zu berechnen ist mit verschiedenen Herausforderungen verbunden. Beispielsweise müssen Länder wie die Schweiz, die nicht Mitglied der EU sind, aus der Berechnung herausgenommen werden. Zudem verschiebt sich der Mittelpunkt mit jeder Erweiterung und jedem Ausstieg eines Mitgliedstaates aus der EU. Das französische Geographische Institut (IGN) hat den Mittelpunkt und dessen Veränderung seit 1987 bestimmt. Wie sich dieser über die Jahre hinweg verschoben hat, zeigt das interaktive Dashboard.

Durch den Beitritt Spaniens und Portugals 1986 befand sich der Mittelpunkt in Saint-André-le-Coq, einer kleinen Gemeinde in der Region Auvergne, Frankreich. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands verschob sich das geographische Zentrum der EU 33 km in östliche Richtung. 1995 traten Österreich, Schweden und Finnland der EU bei. Dadurch verlagerte sich der Mittelpunkt deutlich um 445 km. Viroinval, eine kleine Gemeinde in der belgischen Provinz Namur, konnte sich fünf Jahre mit dem Status als geographischer Mittelpunkt der EU schmücken.

Die große EU-Erweiterung im Jahr 2004, in der zehn vornehmlich östliche Staaten der EU beitraten, sorgte dafür, dass sich der Mittelpunkt nach Deutschland verlagerte. Genauer in das im Westerwald gelegene Kleinmaischeid. Nur drei Jahre konnte sich Kleinmaischeid jedoch mit dem Titel zentralster Ort der EU brüsten, denn mit dem Beitritt von Bulgarien und Rumänien verschob sich der Mittelpunkt nach Gelnhausen in Hessen.

Die EU-Erweiterung um Kroatien 2013 lies den Mittelpunkt in das um neun Kilometer entfernte Westerngrund in Bayern wandern. Auch der Beitritt des französischen Übersee-Departments Mayotte, vor der Küste Madagaskars gelegen, änderte daran nichts, sodass Westerngrund aktuell den Status als zentralster Ort der Europäischen Union trägt. Der Austritt Großbritanniens würde daran allerdings wiederrum etwas ändern. Auf einem Acker von Gadheim könnte sich der mögliche neue geografische Mittelpunkt der Europäischen Union nach dem Brexit befinden